Suchen

bild_03.jpg
Logo

Weisstanne als Werbeträger

Teile des 180 Jahre alten Baumriesen werden auf der Ligna-Messe in Hannover ausgestellt

Hier gehts zur Fällung! 

von unserem Mitarbeiter Dieter Maurer
BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD


„Dieser Baum ist auch für einen altgedienten Forstmann eine Besonderheit,“ sagte Rudi Kynast – kurz danach stürzte der Baumriese mit lautem Bersten in Richtung Tal. Die 180 Jahre alte Weißtanne erfüllt aber auch nach ihrer Fällung noch eine wichtige Funktion: Zunächst wirbt sie bei der Ligna-Messe in Hannover für den Standort Schwarzwald. Danach findet sie in der neuen „Weißtannenhalle“ in St. Märgen als Dauerausstellungsobjekt ihre „letzte Ruhestätte“.

Revierleiter Helmut Schlosser hat die mächtige Weißtanne an der Buchenbacher Kehrenhalde oberhalb des Bahnhofs „Hirschsprung“, etwas 150 Meter von der B31 entfernt, seit 1972 beobachtet und interessierten Waldbesuchern gezeigt. Im vergangenen Sommer zerschmetterte ein Blitzschlag rund die Hälfte der Krone. Der untere Kronenbereich präsentierte sich seither nur noch mit schütterer Benadelung. Darüber hinaus schnürte am Kronenansatz ein Krebsgeschwulst mehr als zwei Drittel des Stammumfangs der Weißtanne ein. Schlosser: „Die Überlebenschance des Baums war gering.“

Der Leiter des Forstbezirks Kirchzarten, Rudi Kynast, wusste von der Suche der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg nach einem spektakulären, hochwertigen und dicken Stammabschnitt als Exponat für die Ligna-Messe in Hannover. Kynast und Schlosser empfahlen dafür die Hochschwarzwälder Weißtanne. Den Baumriesen zu Fall zu bringen war kein leichtes Unterfangen. Um die Fallrichtung zu gewährleisten, spannte ein Forstarbeiter ein Stahlseil zwischen Stamm und Schlepper. Forstwirt Markus Wehrle warf die neun PS starke Motorsäge an. Zunächst schnitt er die Fallkerbe aus dem Holz heraus. Danach fraßen sich die messerscharfen Stahlzähne am 90 Zentimeter langen Kettenblatt von mehreren Seiten tief in den Stamm hinein, wobei die Späne wild durch die Luft wirbelten. Nachdem die Säge ohrenbetäubend gelärmt hatte, war es soweit: Der Baumriese stürzte wie geplant talwärts in eine kleine Schneise, riss dabei einige Äste umstehender Bäume mit.

Sofort wurde der Stamm vermessen: Umfang 5,40 Meter, Durchmesser in „Brusthöhe“ 1,42 Meter, Länge inklusive des abgebrochenen Doldens 47 Meter, insgesamt 25,12 Festmeter Holz. Überrascht zeigten sich Kynast und Schlosser vom „jugendlichen“ Alter der Weißtanne. Ihre Schätzungen lagen bei 300 Jahren, anhand der Baumringe wurden jedoch nur 180 Lenze gezählt. Kynast führte dies auf den hervorragenden Standort am Unterhang mit vielen Nährstoffen und reichlich Wasser zurück. Ungewöhnlich war, dass der Baum vor allem in seinen ersten Lebensjahrzehnten mächtig zugelegt hatte. Kynast: „Normalerweise wachsen Weißtannen zunächst sehr langsam.“ Thorsten Beimgraben von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg freute sich über den Baumriesen: „Da werden die in Hannover staunen. Solche Dimensionen sind in Norddeutschland völlig unbekannt. Da zählt ein Querschnitt von 35 Zentimeter bereits zum Starkholz.“

Auf der Ligna vom 02. bis 06. Mai, einer der weltgrößten Messen für Forst- und Holzwirtschaft mit rund 1200 Ausstellern aus aller Welt, dürfte der für den Schwarzwald charakteristische Gigant viele Bewunderer finden, ist sich Beimgraben sicher. Dafür wird ein etwa zwei Meter langer Stammabschnitt hergerichtet. Mit einer Blockbandsäge werden die wertvollen Hauptprodukte wie Dielen, Bohlen und Fensterkanthölzer so herausmodelliert, dass sie den Messebesuchern in einem Schubkastensystem praktisch vorgestellt werden können. Ein großer Teil des Stamms bleibt unversehrt und vermittelt einen Eindruck von der Dimension und dem Holzkern.

Danach kehrt die Weißtanne wieder zurück in den Schwarzwald. In der neu entstehenden „Weißtannenhalle“ in St. Märgen wird der Baum als Dauerausstellungsobjekt zu sehen sein.

(Quelle: Badische Zeitung, 26. März 2005)