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Interview: "Weißtanne eine Baumart der Zukunft"

Die Fachzeitschrift "Bauen mit Holz" spürt in ihrer aktuellen Ausgabe (3/2013) dem wachsenden Interesse an Weißtanne im Wohn-, Gewerbe- und Objektbau nach.

Diese Entwicklung möchten wir gerne fördern und stärken. Meinrad Joos, 1. Vorsitzender, sprach mit der Journalistin Susanne Jacob-Freitag über die Qualitäten des heimischen Holzes und seine ökologische Bedeutung.

 

BAUEN MIT HOLZ:

Herr Joos, Sie sind Vorsitzender des „Forum Weißtanne“. Bitte erklären Sie uns kurz, was es mit dem Verein auf sich hat.

Meinrad Joos:

Der gemeinnützige Verein „Forum Weißtanne“ ist aus dem 1997 gegründeten Arbeitskreis Weißtanne hervorgegangen und besteht seit Oktober 2000. Er hat derzeit 180 Mitglieder. Zu ihnen gehören Waldbesitzer, Sägewerke, Schreinereien, Zimmereien, Planer und Architekten, aber auch Vertreter der Forst und Holzwissenschaft sowie Kommunalpolitiker. Zweck des Vereins ist es, die Weißtanne als Baumart zu fördern und zu erhalten und ihre Verwendungsvorteile bekannter zu machen.

Welche Bedeutung hat die Weißtanne aus Ihrer Sicht?

Die Weißtanne ist eine typische Baumart im Südwesten Deutschlands und ein prägendes Element unserer Waldkulturlandschaft. Ihr größtes Verbreitungsgebiet ist der Schwarzwald. Das zentrale Anliegen unseres Vereins lautet „Schützen durch Nützen“. Bei der Weißtanne, kurz Tanne, hat das eine besondere Berechtigung: Durch die Globalisierung der Holzmärkte in den letzten Jahren hat sie ihre einstmals führende regionale Marktposition im Schwarzwald und in verschiedenen Regionen Süddeutschlands verloren. Hauptursache ist ihr geringes Vorkommen. Bundesweit hat die Tanne nur einen Anteil von zwei Prozent, in Baden-Württemberg liegt er derzeit bei zehn Prozent. Für die Stabilität und die Ökologie unserer Wälder ergeben sich durch diese Marktverhältnisse langfristige schwerwiegende Nachteile: Wenn Tannenholz nicht oder nur zu unangemessenen Preisen nachgefragt wird, werden die Waldbesitzer die Tanne aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr anbauen. Das möchten wir verhindern. Denn Tannen sind neben der einst dominierenden Buche die „Zweite Säule“ der naturnahen Waldwirtschaft. Hinzu kommt, dass die Tanne ein Tiefwurzler ist, ihr Wurzelsystem also tief in den Boden reicht. Dadurch ist sie weniger trockenheitsanfällig
und gleichzeitig sturmfester als die Fichte, die ein Flachwurzler ist. Gerade unter den sich verändernden Klimaverhältnissen ist die Weißtanne eine Baumart der Zukunft. Unter naturschutzfachlichen Aspekten ist sie ein unentbehrlicher ökologischer Stabilisator.

Wie sieht Ihr Leitsatz „Schützen durch Nützen“ konkret aus?

Indem wir die Vorteile von Tannenholz als Bau- und Konstruktionsholz, im Innenausbau oder im Möbelbau bekannter machen, wollen wir die Nachfrage und damit den Anbau des Baums steigern. Hinzu kommt, dass die Tanne ein „dankbarer Baum“ ist im Hinblick auf die Bestandserneuerung: Durch Bewirtschaftung lassen sich die Tannenbestände permanent aus sich heraus erneuern und der natürliche Kreislauf bleibt erhalten. Das ermöglicht hohe Erträge bei begrenztem Anbaurisiko, denn die Weißtanne wächst als Jungbaum ohne weiteres im Schatten anderer Bäume.

Was zeichnet die Weißtanne aus oder was unterscheidet sie von der Fichte?

In der Verwendung ist das Holz der Weißtanne dem der Fichte ähnlich. Ein wesentlicher Unterschied zum Fichtenholz ist, dass es keine Harzkanäle und Harzgallen hat. Es bietet eine hohe Beständigkeit gegen Säuren und Basen, und es ist dauerhaft und witterungsbeständig. Das harzfreie, matt-weiße und helle Tannenholz hat zudem eine ebenmäßige Oberfläche und ein edles Erscheinungsbild. Tannenholz ist jedoch spröder und damit anders zu verarbeiten als Fichtenholz. Es hat häufig einen Nasskern und braucht daher länger zum Trocknen als Fichte. Deshalb sind Mischsortimente aus Tanne und Fichte problematisch. Sie sollten jeweils separat gekauft und verwendet werden.

Was sind die Einsatzgebiete der Weißtanne innen, außen, konstruktiv und dekorativ?

Die Weißtanne eignet sich gut als Bau- und Konstruktionsholz. Sie ist tragfähig und hat eine gute Biege- und Druckfestigkeit. Tannenholz
lässt sich außerdem gut verkleben und imprägnieren. Für den konstruktiven Holzbau kann es daher zu Brettstapel-Elementen verklebt oder vernagelt werden bzw. zu Brettschicht(BS)-Holz in den verschiedensten Abmessungen. Es eignet sich natürlich auch für die Herstellung von Brettsperrholz(BSP)-Elementen. Die Harzfreiheit macht die Weißtanne sehr interessant für den Innenausbau und Möbelbau, besonders aber für den Fensterbau. Denn im Sommer erhitzen die Fensterrahmen. Bei anderen Hölzern ist der natürliche Harzaustritt dabei unvermeidbar. Im Innenausbau ist es prädestiniert für Vertäfelungen, Fußböden und Türen. Da es sich außerdem gut spalten lässt, zählt die Herstellung von Holzschindeln zu den klassischen Verwendungsarten. Tanne hat laut Untersuchungen auch bessere Akustikwerte als Fichte. Sie eignet sich daher bestens als Decken- oder Wandpaneel zur Verbesserung der Raumakustik. Bei solchen sichtbaren Oberflächen bietet die Tanne als harzfreies Holz zusätzlich eine perfekte Optik.

Wie kommen die Informationen zum Architekten und wo erfährt ein Interessent etwas über die Weißtanne?

Auf unserer Homepage www.weisstanne.info finden Interessierte alle wichtigen Informationen. Dazu gehört auch unser Hersteller- und Lieferantenverzeichnis, auf dem Architekten zum Beispiel Holzbau-Unternehmen finden, die Produkte aus Weißtanne anbieten. Oder wenn interessierte Bauherren einen Architekten suchen, der mit Weißtanne baut, dann werden Sie hier fündig. Einer der Architekten, der für seine Projekte aus Weißtanne bekannt ist, ist Manfred Fetscher. Er ist sogar so überzeugt von dem Holz, dass er sich der Weißtanne quasi verschrieben hat. Ansonsten haben wir eine Reihe von Prospekten und Broschüren, die wir auf Messen und anderen Veranstaltungen auslegen. Auf Anfrage von Architekten, Studien- und Bildungsstätten oder anderen sind wir jederzeit bereit, Exkursionen zu verschiedenen gelungenen Gebäuden zu organisieren – unsere letzte fand im Dezember 2012 statt. Ab Mai dieses Jahres steht uns im Rahmen einer Clusterförderung für solche Zwecke dann noch zusätzliches Personal zur Verfügung. Darüber hinaus sind wir als Verein natürlich jederzeit ansprechbar und geben Auskunft zu allen Fragen. Die Kontaktdaten findet man auf unserer Homepage. Aktuell haben wir außerdem den Internationalen Weißtannenpreis 2013 ausgeschrieben. Die Ausschreibungsunterlagen sind ebenfalls dort zum Herunterladen hinterlegt.

Quelle: Bauen mit Holz (03/2013, Seite 58-59)